wo die promenade die kanalstraße kreuzt steht auf einer wiese ein überlebensgroßes fotoporträt des oberbürgermeisters mit dem wahlspruch "wir in münster", vor zwei tagen stand an derselben stelle noch eine kleine bühne des studentenradio, auf der daniel den marathon moderieren und den manager von preussen münster oder irgendeinen olympiateilnehmer interviewen mußte, ziemlich viele leute waren da, auch wenn sie sich insgesamt mehr für den marathon interessiert haben, der an den kilometerpunkten drei und acht an der bühne vorbeiführte, beim kilometerpunkt acht gab es außerdem eine getränkeausgabe, dutzende junge menschen hielten den läufern becher hin und riefen ununterbrochen WASSER WASSER, ein bißchen klang das so, als würden sie darum betteln, oder das wasser zumindest verkaufen wollen, nachdem viertausend läufer, auch der allerletzte, von einem polizeiwagen eskortierte, die wasserstelle passiert hatten, fand mit dem verbleibenden kostbaren gut eine wasserschlacht statt, am ende, es war schon gegen mittag, spiegelte sich der blendende sonnenschein in den pfützen auf dem asphalt und die straße war übersäat mit roten colabechern wie ein indischer prozessionsweg mit blüten, als wäre ein götterbild vorbeigetragen worden.
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Wenn ich nicht zufällig etwas Gutes über Evelyn Waugh (den ich erst für eine Frau hielt) gehört hätte, wäre ich wohl nie auf die Idee gekommen Wiedersehen in Brideshead zu lesen. Der Titel klingt nach dem Buch zu einem englischen Kostümfilm, und außerdem stand das Buch in der Stadtbibliothek unter "bewährter Unterhaltung", neben Simmel, Konsalik und Co. Und dann wäre mir dieses schöne Buch entgangen, in dem es zum Glück nicht nur um den Niedergang einer adeligen, englischen Familie geht (wie der Klappentext und das Literaturlexicon behaupten), sondern zum Beispiel auch um einen versnobten Oxfordstudenten mit Teddybärkult, oder um den Katholizismus als Minderheitenreligion in England, um den niemand in der besagten Familie herum kommt, wie skeptisch er auch sonst sein mag, so sehr beherrschen Letzte Ölung und Kommunion ihre Gedankenwelt, oder um eine Liebesgeschichte, die am Katholizismus scheitert.
Den Autor hinderte das nicht, trotzdem katholisch zu werden.
Den Autor hinderte das nicht, trotzdem katholisch zu werden.
dominicw - am Dienstag, 7. September 2004, 14:00 - Rubrik: das universum (eine bibliothek)
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(weil schon wieder soviel Ikea in der Luft liegt)
Einmal wohnt Edward Norton in einer völlig von Ikea eingerichteten Wohnung, und zwischendurch, vielleicht damit er seine Investionen dort nicht vergißt, sind alle seine Einrichtungsgegenstände mit Preisschildern und dem Markennamen dekoriert. Trotzdem fliegt die Wohnung später in die Luft. Überhaupt bekommt Edward Norton ständig einen auf die Nase, meistens von Brad Pitt, denkt er zumindest.
In welchem Film?
Einmal wohnt Edward Norton in einer völlig von Ikea eingerichteten Wohnung, und zwischendurch, vielleicht damit er seine Investionen dort nicht vergißt, sind alle seine Einrichtungsgegenstände mit Preisschildern und dem Markennamen dekoriert. Trotzdem fliegt die Wohnung später in die Luft. Überhaupt bekommt Edward Norton ständig einen auf die Nase, meistens von Brad Pitt, denkt er zumindest.
In welchem Film?
am institut für ägyptologie hat sich jetzt schon zum zweiten mal jemand aus meinem freundeskreis zum studium zwar offiziel angemeldet, aber eigentlich mehr angst um das kindergeld gehabt, schade, denn in diesem institut hängt an einer glastür ein plakat mit der maske des tutanchamun, die mit dem spruch tut-es-rein-tun fürs recyclen wirbt, in der bibliothek haben die wenigen ernsthaft lernenden und lehrenden alle ihre eigenen arbeitsplätze, auf denen sich mit sicht auf die baustelle des priesterseminars an der überwasserkirche bücher stapeln, quelleneditionen von papyri-texten, teebeutel, ungespülte tassen, wenn man ein buch sucht, findet man es garantiert zufällig auf einem der professoren-stapel und dort bleibt es damit auf ewig der allgemeinheit verschlossen, auch der kopierer funktioniert nicht immer, aber wenn man sich an ihm erfolglos versucht, ertönt plötzlich vom anderen stimme des flures eine stimme: machta wieda probleme? und aus dem institutschatten schält sich eine höchstens eins-fünfzig große, ältere frau mit kurzhaarschnitt und einem buckel, die schließlich am kopierer ankommt und alles wieder richtig einstellt.
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zum Beispiel mochte ich meine Chefin
und nicht nur WEIL sie meine Chefin jetzt nicht mehr ist, sondern WEIL sie sich sehr angenehm von den Professoren unterscheidet, die ihren Hilfskräften nur ungerne wöchentlich einmal eine Audienz gewähren. Meine Chefin mußte ich duzen undmit dem Vornamen ansprechen. Wenn ich das am Anfang manchmal vergaß und sie doch noch einmal siezte, rief sie laut: DU!DU!DU!DU!, und irgendwann hatte ich das dann verinnerlicht. WEIL sie alle paar Monate ihre Hilfskräfte zum Essen einlädt, selber Nudeln dazu kocht und dabei Unmengen Wein vertilgen läßt, und in einem niedlichen schweizer Dialekt ihre Geschichte einer Baslerin im Exil erzählt, die seit zehn Jahren mit einem Deutschen verheiratet ist und eine Professur in Deutschland hat, aber immer noch keine Aufenthaltsgenehmigung. WEIL ich mir vorher nicht vorstellen konnte, gerne an der Uni zu arbeiten.
und nicht nur WEIL sie meine Chefin jetzt nicht mehr ist, sondern WEIL sie sich sehr angenehm von den Professoren unterscheidet, die ihren Hilfskräften nur ungerne wöchentlich einmal eine Audienz gewähren. Meine Chefin mußte ich duzen undmit dem Vornamen ansprechen. Wenn ich das am Anfang manchmal vergaß und sie doch noch einmal siezte, rief sie laut: DU!DU!DU!DU!, und irgendwann hatte ich das dann verinnerlicht. WEIL sie alle paar Monate ihre Hilfskräfte zum Essen einlädt, selber Nudeln dazu kocht und dabei Unmengen Wein vertilgen läßt, und in einem niedlichen schweizer Dialekt ihre Geschichte einer Baslerin im Exil erzählt, die seit zehn Jahren mit einem Deutschen verheiratet ist und eine Professur in Deutschland hat, aber immer noch keine Aufenthaltsgenehmigung. WEIL ich mir vorher nicht vorstellen konnte, gerne an der Uni zu arbeiten.
dominicw - am Donnerstag, 2. September 2004, 16:25 - Rubrik: menschen die ich mag
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Auch ohne Fahrenheit 9/11 weiß man, das die Öl- und Rüstungsindustrie hinter der derzeitigen US-Regierung steht und daher Umweltschutzmaßnahmen oder Klimaabkommen ständig mißachtet werden.
In einem Zeitschriftartikel stand etwas über die Euphemismen, mit denen die Bush-Regierung ihr mangelndes Interesse am Umweltschutz veschleiert.
Umweltauflagen werden nie geschwächt oder gelockert, sie werden
"angepaßt" oder "reformiert".
Eine Gesetzesvorlage, die Holzeinschlag und Straßenbau in Nationalparks erleichtert, heißt
"healthy forests".
Abholzung nennt sich
"Mehrfachnutzung"
oder:
"Verringerung der Brandgefahr".
Ein Vorstoss, der den Kraftwerken weitere fünfzehn Jahre Frist zur Reduzierung ihrer Emissionen gewähren soll, heißt
"clear skies".
(Aus "du.749.Amerika.Vereinigte Staaten.Geteiltes Land")
Der Artikel hieß "Orwells Meisterschüler", denn George Orwell hat geschrieben: "Politische Rede und Verteidigung gilt heutzutage vor allem der Verteidigung dessen, was eigentlich nicht zu rechtfertigen ist. Die Sprache der Politik muß deshalb grossteils aus Euphemismen bestehen, aus einem wolkigen Ungefähren... Diese Worte legen sich auf die Fakten wie eine weiche Schneedecke, verwischen die Konturen und verdecken die Details." (1946)
Das "Du"-Heft über Amerika lohnt es nicht nur zu lesen, sonder auch sich anzusehen: illustriert ist es mit Bildern eines Fotografen, der auf der Suche nach Dinosauriern, den Haustieren der Amerikanern, wie er meint, durch die Staaten reiste. Er hat einige gefunden.
In einem Zeitschriftartikel stand etwas über die Euphemismen, mit denen die Bush-Regierung ihr mangelndes Interesse am Umweltschutz veschleiert.
Umweltauflagen werden nie geschwächt oder gelockert, sie werden
"angepaßt" oder "reformiert".
Eine Gesetzesvorlage, die Holzeinschlag und Straßenbau in Nationalparks erleichtert, heißt
"healthy forests".
Abholzung nennt sich
"Mehrfachnutzung"
oder:
"Verringerung der Brandgefahr".
Ein Vorstoss, der den Kraftwerken weitere fünfzehn Jahre Frist zur Reduzierung ihrer Emissionen gewähren soll, heißt
"clear skies".
(Aus "du.749.Amerika.Vereinigte Staaten.Geteiltes Land")
Der Artikel hieß "Orwells Meisterschüler", denn George Orwell hat geschrieben: "Politische Rede und Verteidigung gilt heutzutage vor allem der Verteidigung dessen, was eigentlich nicht zu rechtfertigen ist. Die Sprache der Politik muß deshalb grossteils aus Euphemismen bestehen, aus einem wolkigen Ungefähren... Diese Worte legen sich auf die Fakten wie eine weiche Schneedecke, verwischen die Konturen und verdecken die Details." (1946)
Das "Du"-Heft über Amerika lohnt es nicht nur zu lesen, sonder auch sich anzusehen: illustriert ist es mit Bildern eines Fotografen, der auf der Suche nach Dinosauriern, den Haustieren der Amerikanern, wie er meint, durch die Staaten reiste. Er hat einige gefunden.
dominicw - am Mittwoch, 1. September 2004, 10:08 - Rubrik: die pracht des planeten
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Noch etwas aus Theresas Afrika-Erfahrungen:
(weil Luise heute aufgefallen ist, daß auf den Hochzeitsbildern niemand lächelt, abgesehen von Theresa)
In Deutschland wird nie gelächelt, nur auf Fotos.
Die Menschen in Afrika lächeln ununterbrochen, nur für den Fotografen macht man ein ernsthaftes Gesicht, schließlich handelt es sich um eine wichtige Angelegenheit.
(weil Luise heute aufgefallen ist, daß auf den Hochzeitsbildern niemand lächelt, abgesehen von Theresa)
In Deutschland wird nie gelächelt, nur auf Fotos.
Die Menschen in Afrika lächeln ununterbrochen, nur für den Fotografen macht man ein ernsthaftes Gesicht, schließlich handelt es sich um eine wichtige Angelegenheit.
dominicw - am Montag, 30. August 2004, 13:23 - Rubrik: human being