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Gestern war ich bei jemandem, der sich selbst als "Experte für Enthüllungen" bezeichnet und als "Meister der Skepzis." Er war Rechtsanwalt und auf noch mindestens zwei anderen Gebieten "professionell". Zum Beispiel als Trickzauberer. Das andere Gebiet hat er zu unserem Bedauern nicht enthüllt. Vielleicht: als Leser von Spionagebüchern, denn: "Denken Sie nicht, Sie könnten mir was vormachen. Ich besitze 132 Bücher über Spionage und Geheimdienstapparate. Und ich bin Humanist." Zum Glück wollten wir ihm ja auch gar nichts vormachen, wir hätten uns wohl ganz schön blamiert.

Bisher dachte ich, Murphy´s Gesetze (das größte anzunehmende Unglück ereignet sich grundsätzlich) würden auf selektiver Wahrnehmung basieren. Aber jetzt hat ein Wissenschaftler folgendes herausgefunden:
"Wenn wir wie Pessimisten prinzipiell glauben, daß Unglück unsere eigene Schuld ist, dass es sich ständig wiederholen wird und all unsere Bemühungen zunichte macht, dann stößt uns auch wirklich mehr Unglück zu als bei einer positiveren Einstellung."
Alles eine Frage der Einstellung. Also: Optimistisch bleiben!
Denn Optimisten "sind leistungsfähiger im Beruf und schneiden in der Schule und sogar im Sport besser ab."

Letzte Woche schrieb die ZEIT Folgendes über den aktuellen Jesus-Film: "Der Film lehrt nicht die Versöhnung, sondern die Unversöhnlichkeit. ... Er predigt nicht die Liebe, sondern den Hass. Das alles ist unfassbar traurig und dumm. Es ist aber auch unfassbar langweilig und lächerlich ... eine Pornographie der Gewalt - die Verkümmerung der Handlung zu einem bloßen Vorwand. ... - ein schreckliches Zeichen für die Verfassung unserer Gegenwart." (Ein Zitat für den Fall, jemand würde behaupten, der Film sei schließlich nur realistisch.)
Direkt darunter ein Artikel über "christliche" Computerspiele, in denen man im Stil eines Ego-shooter-spieles gegen Dämonen oder Luzifer und um arme Seelen kämpfen muß, oder um seine eigene. In den USA wird folgendermaßen für ein solches Spiel geworben: "Du wirst mit Bereichen konfrontiert werden, die von Weltlichkeit, Verzweifelung, Einsamkeit und den Medien geprägt sind. Du musst diesen Ablenkungen vom christlichen Weg widerstehen." Mit einem - noch mal ein Zitat aus der ZEIT - "verkapptem Kriegsspiel".

Wenn ich etwas über die Biographie von anderen, berühmteren Leuten lese, dann vergleich ich oft, was diese Menschen in meinem Alter schon alles erlebt, geleistet oder überstanden haben.
Jetzt gerade zum Beispiel bin ich unerträgliche sechsundzwanzig Jahre alt. Als Novalis so alt war, hatte er sein Studium schon seit Jahren abgeschlossen und einen Job in irgendeiner sächsischen Bergbaubehörde. Er hatte sich nicht nur mit Literatur und Philosophie beschäftigt, und eine ganze Reihe von Gedichten und Essays geschrieben, sondern auch mit Physik, Geologie und Biologie. Zwei Jahre vorher war seine Verlobte gestorben, ein paar Wochen danach sein Lieblingsbruder (seine Mutter hatte elf Kinder und überlebte zehn davon). Drei Jahre später ist er gestorben, am einer Krankheit, relativ friedlich, wenn man Friedrich Schlegel glauben darf, der dabei war und ihn im Sterben lächeln sah, während im Nebenzimmer ein anderer Bruder Klavier spielte.

Im ersten Drittel ihres Lebens hat Djuna Barnes in den Zentren der Welt Berühnmtheiten getroffen, und Affären mit ihnen gehabt, und Bücher geschrieben. Den größen Teil ihres Lebens hat sie in ihrer Wohnung in New York verbracht, völlig alleine. Mit ihren immer weniger werdenden Freunden hat sie immer weniger und nur brieflichen Kontakt gehabt. Als sie über neunzig jahre alt war,ist sie in ihrer Wohnung gestorben, weil sie seit Tagen nichts mehr gegessen hatte, und niemand weiß, ob sie das geplant hat, oder ob es einfach zufällig passiert ist.

In der Simon-Dach-Straße wohnen zwei Freundinnen in der Wohnung einer Selbstmörderin. Vor ein paar Monaten ist sie aus dem Fenster gesprungen. Die beiden Mädchen, die jetzt in der Wohnung leben, haben einen ganzen Haufen Sachen von der Vormieterin geerbt. Unter anderem auch einen Stapel CD´s. Eine CD heißt: Sei nie wieder allein. Auf ihr hört man, wie jemand den Kühlschrank aufmacht, durch den Flur läuft, sich gedämpft unterhält, die Klospülung betätigt, duscht, bügelt, einen Kaffee kocht oder hinter einer Zimmertür Musik hört.

 

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