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In der Reihenhaussiedlung meiner Eltern wohnt zwei Häuser weiter ein ziemlich spießiges Ehepaar (Zwischenfrage: wie definiert man spießig? Mein Vorschlag: wenn man nicht über seinen eigenen Horizont gucken kann, oder besser noch: nicht gucken will). Im Garten langweilen sich Löwenskulpturen und Laternen aus falschem Marmor, wenn man sich vor dem Haus unterhält, bringt sie grundsätzlich gerade zufällig den Müll raus oder muß die Blumen gießen, der Mercedes wird jeden Samstag gewaschen (obwohl das eigentlich nicht erlaubt ist) und beide ärgert es sehr, wenn der Parkplatz direkt vor ihrem Haus besetzt ist. Vor ein paar Jahren ist das Fürchterlichste passiert: ein Sturm hat eine hohe Birke so unglücklich gefällt, dass dabei der Zierapfelbaum, die Krönung des Gartens, zerstört wurde. Und dann ist wegen zweier Todesfälle (aber das ist eine andere Geschichte) auch noch das direkte Nachbarhaus freigeworden und beinahe wäre eine türkische Familie mit vielen Kindern dort eingezogen. Ich hatte mich schon auf große orientalische Gartenfeste gefreut, aber die Mercedesfahrer hatten tatsächlich vor, etwas dagegen zu unternehmen, wie auch immer sie sich das vorgestellt haben. Jetzt wohnt jedenfalls ein kinderloses Paar in dem Reihenhaus, aber ihre Nachbarn sind trotzdem nicht zufrieden. Er fährt einen tiefliegenden, hellblauen Zweisitzer, den man sehr leicht übersehen kann, wenn man versucht mit dem Mercedesschiff einzuparken, und beide hören bestimmt keine deutschen Schlager, renovieren alles im Haus selber - was auch nicht lautlos bleibt - und haben gerne Besuch, mit dem sie im Garten sitzen, viel reden und manchmal sogar lauthals lachen. Menschen gibt es.
Weil unsere Nachbarn keine Lust mehr hatten, ständig unerwartet ältere Leute in ihrem Garten raumlaufen zu sehen, sind sie auf dieselbe Lösung gekommen sind wie Walter Ullbricht oder Ariel Scharon: sie haben einen Zaun gebaut, der sich an der ganzen schmalen Gartengrenze entlangzieht. Der Garten ist grün und mannshoch. Ein Gitterzaun, den man oft auch in Zoologischen Gärten sieht, um ein Gepardengehege herum zum Beispiel oder um Giraffen an der Flucht zu hindern. Irgendwann wird der Zaun zuwachsen und ganz nett aussehen. Das wird noch ein paar Jahre dauern. Bis dahin wird er unübersehbar jeden in der Siedlung daran erinnern, wie anstrengend es ist, Nachbarn zu haben.
RokkerMur meinte am 24. Jul, 15:20:
Ich halte inzwischen sogar schon das Wort spießig für spießig ;)
Kannst du den Zaun mal aufnehmen ? (Aber nur wenn es ungefährlich ist und du nicht über Landminen steigen mußt) *gg* 
dominicw antwortete am 24. Jul, 15:27:
gute idee!
ich hab zwar nicht die passende Kamera (ich lebe vergleichsweise High-tech-frei, ich hab noch nicht mal einen computer und muß meine eltern oder freunde besuchen oder arbeiten um in meinem weblog zu schreiben), aber ich hab ja freunde, und vielleicht läßt sich das mal einrichten, ich werde heimlich vom wohnzimmerfenster fotografieren) 
RokkerMur antwortete am 24. Jul, 16:34:
Es war sowieso kein Eilauftrag ;)
Zur Not hast sicher eine/n Bekannte/n welcher ein Handy mit Kamera hat - nach deiner Geschichte sieht es aber eher so aus als ob Nachbarn deren Festung noch ausbauen.
(Veröffentlichen kann man es auch woanders - heißt undercover - und wenn die 2 Nachbarn in ihrem Postkarten einen Auszug der Geschichte finden, wie gesagt du hast da ohne PC sowieso ein Alibi) 
hurra meinte am 26. Jul, 21:24:
"Wenn ich groß bin"
Zum Thema spießig fällt mir momentan sofort der Sparkassen-Werbespot ein. Wunderbar. 
Jasper antwortete am 26. Jul, 21:58:
*gg*
Aber in dem Spot ist Nicht-spießig-sein doch "uncool" - jedenfalls am Ende :o). 
dominicw antwortete am 29. Jul, 11:44:
also diesen sparkassen spot finde ich sowieso gräßlich
in irgendeinem weblog habe ich mal gelesen, warum der NICHT-bausparer aus dem vorherigen spot (mit dem "uncool") der eigentlich coole ist, leider hab ich vergessen wo, sollte man sich merken (-: 
Schorsch meinte am 27. Jul, 09:58:
Wikipedia schreibt...
" Als Spießbürger bezeichnet man abwertend eine Person, die sich durch geistige Unbeweglichkeit, ausgeprägte Konformität mit gesellschaftlichen Normen, Abneigung gegen Veränderungen der gewohnten Lebenswelt und Zurückweisung von allem Fremden auszeichnet. Mit Beginn des 20. Jahrhunderts kommt die Kurzform Spießer (und das Adjektiv spießig) auf, die als Kampfbegriff fortschrittsorientierter und meist politisch linker Gruppierungen gegen die gesellschaftlichen Führungseliten (das sog. "Establishment") verwendet wird.

Der Begriff geht zurück auf die im Mittelalter mit einem Spieß bewaffneten städtischen Fußtruppen, die sich aus einfachen Stadtbürgern zusammensetzten."

... ich finde, dass paßt doch schon ganz gut ;-) 
dominicw antwortete am 29. Jul, 11:45:
danke für die info
ein Kampfbegriff!
wer weiß was in unserer siedlung alles noch passiert. 
 

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