Gestern war überall Nicaragua. In der taz ein fünf-seiten-dossier, und im cinema ein filmeabend, denn: vor fünfundzwanzig Jahren haben die Sandinisten den Diktator Somoza vertrieben und auch viele Deutsche auf einen gerechten und friedlichen Neuanfang gehofft.
Was blieb? Vorgestell wurden die Filme im Cineman gestern von Volker P., einem Filmfreak, der selber mal in Nicaragua gearbeitet hat. Wenn man ihn zuhause besucht, erzählt er langsam und etwas schläfrig, wie er auf Kaffeeplantagen gearbeitet hat, weil die Männer in den Krieg gegen die von den USA finanzierten Contras ziehen mussten und ohne die Hilfe aus Europa die Kaffeeernte verfault wäre. Dann zeigt er ein paar vergilbte Zeitungsartikel (die er in einem alten Aktenordner sammelt) von den EInsätzen seiner Arbeitsbrigade oder kramt einen Videofilm aus seiner Sammlung, den irgendein entfernter Bekannter in Managua gedreht oder geschnitten hat. Für den Abend gestern hat er sich seine Haare ordentlich und kurz schneiden lassen, und er stand aufgeregt und verschwitzt am Eingang, um jedem eine Orange zu geben ("lasst sie ihre orangen essen" war eines der Motto im ideologischen Kampf gegen die Amerikaner) und auf eine Unterschriftenaktion hinzuweisen, etwas fahrig kündet er die Filme (zwei Kurz- und einen richtigen Spielfilm) an, redet ein paar der Gäste mit Vornamen an und weist ein bißchen auf die jetzige Situation in Nicaragua hin, meist wird er aus dem Publikunm verbessert, von den Errungenschaften der Sandinisten ist nicht viel geblieben, die Analphabetenrate soll wieder bei sechzig Prozent liegen, die Preise steigen weiter, dikiert von amerikanischen Konzernen, und über die Hälfte der Einwohner muß mit einem Dollar oder weniger auskommen.
Und was ist in Nicaragua von den Sandinisten geblieben? Auf manchen Hütten weht noch ihre schwarzrote Fahne, manchmal gerät man in eine lautstarke Demonstration, aber wenn man sich mit den Menschen unterhält, wirken die meisten desillusioniert und erinnern sich daran, dass sie in einem grausamen Krieg kämpfen mußten, dass die Sandinisten auch nicht jede Minderheit toleriert haben und ihre Führungspersonen schließen auch nicht weniger macht- und geldbesessen waren, auch nicht weniger korrupt, als die Führer anderer politischer Parteien.
Was blieb? Vorgestell wurden die Filme im Cineman gestern von Volker P., einem Filmfreak, der selber mal in Nicaragua gearbeitet hat. Wenn man ihn zuhause besucht, erzählt er langsam und etwas schläfrig, wie er auf Kaffeeplantagen gearbeitet hat, weil die Männer in den Krieg gegen die von den USA finanzierten Contras ziehen mussten und ohne die Hilfe aus Europa die Kaffeeernte verfault wäre. Dann zeigt er ein paar vergilbte Zeitungsartikel (die er in einem alten Aktenordner sammelt) von den EInsätzen seiner Arbeitsbrigade oder kramt einen Videofilm aus seiner Sammlung, den irgendein entfernter Bekannter in Managua gedreht oder geschnitten hat. Für den Abend gestern hat er sich seine Haare ordentlich und kurz schneiden lassen, und er stand aufgeregt und verschwitzt am Eingang, um jedem eine Orange zu geben ("lasst sie ihre orangen essen" war eines der Motto im ideologischen Kampf gegen die Amerikaner) und auf eine Unterschriftenaktion hinzuweisen, etwas fahrig kündet er die Filme (zwei Kurz- und einen richtigen Spielfilm) an, redet ein paar der Gäste mit Vornamen an und weist ein bißchen auf die jetzige Situation in Nicaragua hin, meist wird er aus dem Publikunm verbessert, von den Errungenschaften der Sandinisten ist nicht viel geblieben, die Analphabetenrate soll wieder bei sechzig Prozent liegen, die Preise steigen weiter, dikiert von amerikanischen Konzernen, und über die Hälfte der Einwohner muß mit einem Dollar oder weniger auskommen.
Und was ist in Nicaragua von den Sandinisten geblieben? Auf manchen Hütten weht noch ihre schwarzrote Fahne, manchmal gerät man in eine lautstarke Demonstration, aber wenn man sich mit den Menschen unterhält, wirken die meisten desillusioniert und erinnern sich daran, dass sie in einem grausamen Krieg kämpfen mußten, dass die Sandinisten auch nicht jede Minderheit toleriert haben und ihre Führungspersonen schließen auch nicht weniger macht- und geldbesessen waren, auch nicht weniger korrupt, als die Führer anderer politischer Parteien.
dominicw - am Dienstag, 20. Juli 2004, 16:30 - Rubrik: human being