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Und hat das jetzt was gebracht?
Sublimieren nennt man den Prozeß, wenn man Frustrationen, Ängste, Depressionen, Verzweiflung oder Aggresionen in ein literarisches Produkt transformiert.
Ich wünsche allen, die nicht mitfliegen konnten, einen trotzdem schönen Sonntag. Ich finde: wir haben uns gut geschlagen. Das Geld ist weg und Jocelyn immer noch nicht hier, aber sie wird kommen, wir werden vorerst in keinem Hurrican sterben, ehrlich waren wir auch,
und das Geld, hmm. Jetzt haben wir halt mal Gelegenheit zu zeigen, dass uns andere Dinge wichtiger sind.
Am schönsten finde ich gerade, dass ich jetzt überhaupt keine Termine hab. Obwohl das auch ein bißchen was beängstigendes hat.

Einmal wird Diane Keaton von ihrem schwer erziehbaren Neffen Leonardo DiCaprio in Florida besucht, und weil sie versucht ihm näher zu kommen, fahren sie mit ihrem Auto eine Ralley auf dem Sandstrand von Daytona Beach. Sie hat Krebs. Und obwohl sie sich bemüht, die Fassung zu bewahren, wird sie in Disney World, Orlando ohnmächtig vor Furcht, weil sie plötzlich, beim Lunch, feststellt, dass irgednwas in ihrem Mund angefangen hat zu bluten.
In welchem Film?

Amerikas Desinteresse an Sportarten, die ansonsten die ganze Welt in Ekstase versetzen ist vielleicht genauso typisch für das Land, wie die Weltmeisterschaften in Sportarten, die nur Amerikaner in Ekstase versetzen und bei denen daher nur Vereine aus den Vereinigten Staaten gegeneinander antreten. (Wenn man sich auf der Hurrican-Special-Website von CNN die zehn schlimmsten Hurricans ever ansehen will, werden nur Hurricans aufgelistet, die die USA verwüstet haben.)
Immerhin wußte Gabrielle, dass die deutschen Fußballdamen Weltmeister geworden sind (mir ist gerade entfallen, wer bei den Olympischen Spielen Gold gewonnen hat). Sie wußte aber auch, dass die Amerikanerinnen natürlich im Halbfinale niemals gegen die deutschen verloren hätten, wenn irgendeine angeblich wichtigste Spielerin nicht verletzt gewesen wäre.

Ernest Hemingway hat auch in Florida eine Zeitlang gelebt, in einem schmucken Kolonialstil-Herrenhaus in Key West. Das Gebäude ist heute eine Gedenkstätte und im Garten (aber auch in dem Museum) lebt jetzt noch ein ganzer Haufen Katzen, der von Hemingways Katze abstammen soll. Besonders spektakulär ist das Museum nicht, der Garten ist sehr schön und üppig, an den Wänden hängen ziemlich geschmacklose Bilder und Postkarten von Wintersportorten im Montafon, und auf Hemingways Ehebett räkeln sich die besagten Katzen. Spektakulär ist nur der Eintrittspreis, "Are you kidding??" fragt ein entvervter Tourist, als er die Höhe erfährt.
Ein Buch gibt es, welches auch auf den Keys spielt (der Name hat mit Schlüsseln übrigens nichts zu tun, sondern kommt von dem spanischen Wort für kleine Inseln, cayos): Haben und Nichthaben, ein spannendes Buch über Hemingways Alter Ego Harry, der entweder in der Hafenbar sitzt (die es heut noch gibt und von Touristen überlaufen ist) oder Waffen oder Menschen nach Kuba zu schmuggeln versucht, was natürlich nur tragisch enden kann.

zum Beispiel mag ich LaVita
WEIL das ja wohl der beste Mädchenname überhaupt ist. Und WEIL ich Menschen mag, bei denen man nicht weiß, welche verrückten Ideen sie als nächstes haben, zum Beispiel Japanisch zu lernen, um nach Tokio zu fliehen, oder endlich mal Schlagzeug zu spielen, oder einfach mal zwei Monate aufhören zu arbeiten, um sich über seine Zukunft klar zu werden. WEIL sie nach dem ersten Hurrican vor vier Wochen so verängstigt gewesen war (sie war alleine zu Hause gewesen, der Strom war plötzlich weg und das Auge des Sturmes viel näher als angekündigt), dass sie beim zweiten Hurrican Jocelyn anrief um ihr zu erzählen, dass sie gerade in der Central Station Manhattan sei, in Florida hätte sie es nicht mehr ausgehalten. Ich glaube, da wartet sie den dritten Hurrican jetzt auch noch ab.

auf dem miami international airport wäre ich heute beinahe zum vierten mal gewesen, beim erstenmal bin ich nachts gelandet und das flugzeug flug eine große kurve über die stadt, ihr im planquadrat angelegtes lichtermeer tauchte plötzlich wie eine vision aus der stundenlangen dunkelheit des atlantiks auf, während das flugzeug zum landegang ansetzte begannen sich langsam die lichtreklamen der fast-food-ketten, der swimmingpool-laternen in den motelhinterhöfen und die palmwipfel abzuzeichnen, ich mußte in miami nur umsteigen, der wartesaal der fluglinie, die nach nicaragua weiterflog, war schlecht gelüftet und die luft stickig, ein unfreundlicher beamter saß hinter einem holztisch und kontrollierte die pässe, ein bißchen war man schon in lateinamerika, beim zweitenmal bin ich tagsüber gelandet und ein älteres französisches ehepaar versuchte mir hinter den stränden und hochhausketten, die diesmal am horizont erschienen, den ort zu zeigen, an dem sie die wintermonate verbrachten, diesmal wurde ich von einem freundlichen beamten kontrolliert, der meinen Pass laß und meinte:You are from MÜNSTER, isn?t that the city with the churchtower and the cages for the anabaptist kings?, am flughafen hat mich mich jocelyn mit ihrer schwester abgeholt, und ich weiß noch wie ich dachte, so nett hatte ich sie gar nicht in erinnerung, das dritte mal bin ich aus miami weggeflogen, zwei wochen später, plötzlich fuhr das auto mit jocelyn und ihrer mutter schon weg, und irgendwie hatte ich gehofft, sie wenigsten noch kurz mal alleine zu sprechen, heute hätte es fast ein viertes mal gegeben, jetzt werde ich erstmal weiter warten müssen.

Vorstellen brauch ich ihn nicht. Wir kennen ihn alle aus dem Fernsehen, Radio, der Website von CNN oder Daniel Fienes Weblog, wo wir seit ein paar Tagen beobachten können, wie Ivan Florida immer näher kommt, aber trotzdem unberechenbar bleibt.
Ivan ist so groß, dass er am selben Tag für Tote und Überschwemmungen in der Dominikanischen Republik und in Venezuela sorgen kann.
Ivan ist schuld daran, dass die Florida Keys zum dritten innerhalb von vier Wochen evakuiert werden, Jocelyn mit ihrer Familie nach Georgia geflohen ist und ich mit meinen Freunden jetzt NICHT im Flieger nach Miami sitze.

Als Trost gibt es heute ein Florida special.
Und wenns niemanden tröstet, hab ich mir wenigstens den Frust von der Seele geschrieben, und Zeit hab ich jetzt ja auch.

 

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